Gesamtverband Niedersächsischer Kreditinstitute e.V.

 

Herbstveranstaltung am 13. Oktober 2014 im Maritim Airport Hotel Hannover

Zur traditionellen Herbstveranstaltung des Gesamtverbands und seiner Mitgliedsinstitute begrüßte der Vorsitzende des Vorstands, Dr. Heinrich Jagau, erneut mehr als 900 Unternehmer, Entscheidungsträger und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Kreditinstituten und vor allem den Gastredner, Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft.Nach der Vorstellung der Ziele des Verbandes, die weit über Lobbyarbeit hinausgehen, skizzierte Dr. Jagau eindringlich die Vielzahl und Komplexität der Herausforderungen, Themen und Problemlagen, die im Herbst 2014 anstehen und guter sowie nachhaltiger Lösungen bedürfen.

Unabdingbar hierfür ist eine klare Analyse politischer und wirtschaftlicher Gegebenheiten und Perspektiven, die Prof. Dr. Hüther dann anschaulich mit aktuellen Prognosen sowie bedeutenden volkswirtschaftlichen Kennzahlen aus Vergangenheit und Gegenwart und deren historische Ursachen lieferte."Für die Zukunft Deutschlands ist verhaltene Zuversicht angebracht, gleichwohl gibt es in Europa und weltweit unverändert strukturelle Probleme und keine Hinweise auf starke Antriebskräfte für eine nachhaltige wirtschaftliche Genesung“, so lautete das Fazit des interessanten und kurzweiligen Vortrags.

Wesentliche Aussagen anhand der vier Themenfelder Konjunkturelles Umfeld, Investitionsmangel, Niedrigzinsen und Governance Probleme und globale Risiken waren:

· Immer noch befinden wir uns in der Verarbeitung der tiefen Krise in den Jahren 2008 und 2009. Deutlich geworden ist, dass es sich nicht um eine temporäre oder konjunkturelle Entwicklung handelt sondern tiefergehende strukturelle Probleme in wesentlichen Wachstumszentren der Welt bestehen.· Im Kern steht die Struktur der Weltwirtschaft vor einer Neuorientierung, weil sich langjährig funktionierende Geschäftsmodelle nicht als nachhaltig und auch in Zukunft wirksam erwiesen haben.

· Trotz zarter Erholungstendenzen und positiver Grundstimmung in Europa steht vielen europäischen Ländern inklusiv Frankreich aufgrund unterschiedlicher Wirtschaftsstrukturen ein langer Weg bis zur Genesung bevor, auch aus Mangel an industrieller Vielfalt und Substanz.

· Weltweit sind die Investitionsquoten gesunken. Auch die Schwellenländer, von denen zuletzt vielfältige Wachstumsimpulse ausgingen, weisen strukturelle Probleme auf und leiden unter einer sinkenden Wettbewerbs- fähigkeit. Zudem fehlen herausragende Innovationen, die für neuen Schub sorgen könnten.

· Die Staatsverschuldungsfrage ist noch nicht gelöst. Selbst wenn es kein anerkanntes Maß für eine „angemessene Staatsverschuldung“ gibt, werden die daraus resultierenden Belastungen an den Märkten als zu hoch und langfristig wachstumshemmend angesehen. Eine Wende in der Finanzpolitik ist nicht erkennbar – Finanzmarktrisiken bleiben bestehen, ebenso wie die Unsicherheit über die Ernsthaftigkeit der Sparanstrengun- gen und gelungene Strukturanpassungen.

· Die aktuell extrem niedrigen Zinssätze und die weltweit expansive Geldpolitik zeigen, dass etwas im System nicht stimmt. Unbeantwortet ist die Frage, wie die Notenbanken aus der Niedrigzinsphase herauskommen wollen, ohne erneute Turbulenzen zu verursachen oder die Konjunktur zu belasten. Auch gehen von den aktuellen Zinssätzen Fehlanreize für Investitionen und die Altersvorsorge aus. Eine Zinswende sollte behutsam ab Mitte 2015 eingeleitet werden.

· Die EZB forciert zur Zeit eine Abwertung des Euro und droht gleichzeitig zur Bad Bank Europas zu werden. Zugleich enthalten die Bilanzen europä- ischer Kreditinstitute weiterhin vielfältige Risiken und Strukturprobleme. Deflationsgefahren bestehen aktuell eher nicht.

· Geopolitische Risiken nehmen weltweit zu und beeinflussen verstärkt die Finanzmärkte. Europa muss seiner gewachsenen Bedeutung stärker als bisher nachkommen, Verantwortung übernehmen und Stabilität ausstrahlen. Der Nationalstaat ist die Stärke Europas.

· Deutschland profitiert maßgeblich von Europa und dem Euro, muss dafür allerdings auch etwas einbringen zur Stärkung Europas und zur Belebung der europäischen Idee.

Die Inhalte und der engagierte Vortrag von Prof. Hüther fanden in starkem, anerkennendem und nachdenklichem Applaus der Gäste ihren Niederschlag und sorgten auch im anschließenden kommunikativen Teil des Abends für angeregte Diskussionen und Gespräche.


Foto: Helge Krückeberg